VON DEN SCHATTENSEITEN DES REISENS – BESTOHLEN AN DER SUNSHINE COAST

Wir haben lange überlegt, ob wir diesen Beitrag wirklich schreiben sollen. Es wird ein Beitrag der anderen Art.
Nicht so fröhlich wie sonst immer und nicht so positiv wie in all den anderen Beiträgen, die Ihr von uns kennt. Wir haben uns aber dazu entschieden, es aufzuschreiben und öffentlich zu machen.
Gerade weil es viele Menschen da draussen gibt, denen diese Reise noch bevor steht und in unseren Beiträgen Hilfe suchen.
Das Reisen ist eben nicht immer so einfach, wie es auf vielen Social-Media-Plattformen dargestellt wird. Wenn du als Backpacker unterwegs bist, dann bist du verletzlich. Du hast wortwörtlich dein ganzes Leben in deinem Rucksack. Wenn du in einem Auto lebst, ist all dein Hab und Gut darin. Dein Auto ist dein Zuhause, dein Bett, deine Welt. Und eben auch ein Spielplatz für Diebe und Betrüger. Wir erzählen dir unsere Geschichte.

Es war der 3. Dezember 2017. Wir wollten am Tag vor Peters Geburtstag eine Wanderung zu den berühmten Glass House Mountains an der Sunshine Coast machen.
In der Information empfahl man uns den Mount Ngungun zum Einstieg. Dieser soll der bekannteste Berg mit einer tollen Aussicht auf die Anderen sein.
Am Parkplatz angekommen zogen wir uns noch schnell unsere Sportklamotten an, packten unseren Wasserfesten Rucksack und machten uns anschließend auf den Weg zum Gipfel.
Oben angekommen hatten wir wirklich einen schönen Ausblick, aber Fliegen und andere Insekten sorgten dafür, dass wir uns schnell wieder auf den Weg nach unten machten.

Abends auf dem Campingplatz dann der Schock: Der Rucksack ist weg. Und mit ihm all unsere elektronischen Geräte inklusive Tagebuch und Reisedokumente!
Auch als wir das Auto einmal komplett ausräumten gabs keine Spur vom Rucksack. Die Nerven waren am Ende. Uns war klar, dass der einzige Ort, an dem jemand ungesehen an unser Auto hätte kommen können, der Parkplatz vor dem Mount Ngungun war. Dann kamen wir auf die Idee, unsere Fotos und Videos der Kamera zu durchsuchen. Und tatsächlich. Auf dem ersten Video sah man im Hintergrund einen weißen Transporter, der neben uns parkte.
Das Kennzeichen und die Personen waren leider nicht zu erkennen, aber wir wussten nun, was passiert war.
Nach einer schlaflosen Nacht fuhren wir an Peters Geburtstag direkt morgens zur Polizei und erstatteten Anzeige. Auf dem Rückweg hielten wir noch einmal am Infocenter in der Hoffnung, dass der Täter für ihn unnütze Dinge irgendwo entsorgt und jemand andereres gefunden und dort abgegeben hat. Im Nachhinein war dies einer der besten Entscheidungen, die wir fällen konnten.
Natürlich wurde nichts abgegeben, aber die Dame war super hilfsbereit. Sie kannte jemanden, der sich mit Notebooks auskennt und ihres Wissens nach vielleicht einen günstigen für uns abzugeben hat.
Sie drückte mir das Telefon in die Hand und – siehe da – ein deutscher :). Zuerst sah alles danach aus, als könne er uns auch nicht helfen. Nach etwa 10 Minuten aber rief er erneut an und machte uns ein unglaublich tolles Angebot: Er sammelte uns ein und fuhr mit uns zu einem seiner Läden, um den möglichst besten Laptop zum günstigsten Preis für uns zu holen. Er baute uns eine schnelle Festplatte ein, schenkte uns eine Maus und ein Antivirus-System und lud uns obendrauf noch zu einem Mittagessen ein. So wurde Peters Geburtstag doch noch zu einem tollen Tag!
Wir sind unglaublich dankbar dafür – wohlwissend, dass wir uns wirklich glücklich schätzen können.

Den Nachmittag verbrachten wir zusammen mit Freunden, die wir während unserer Zeit auf der Farm in Gatton kennen gelernt hatten.
Wir fuhren zu den Gardners Falls und sprangen mit einem Seil aus ca. 5 Meter Höhe ins Wasser. Anschließend gingen wir noch gemeinsam ins Kino und schauten uns unseren ersten Film auf englisch an.

Am nächsten Morgen klingelte Peters Telefon. Die Polizei war am anderen Ende und erzählte uns, man habe den Mann gefasst und unseren Rucksack gefunden. Was für eine Nachricht! Leider war dieser komplett ausgeräumt und unsere Sachen schon alle verkauft. Lediglich das Go-Pro-Equipment bekamen wir zurück, weil der Täter mit dem ganzen „Plastik“ wohl nichts anfangen konnte. Den Materiellen Schaden macht das ganze natürlich nicht wieder gut, aber es ist toll für unsere Seele, zu wissen, dass der Mann seine gerechte Strafe bekommt. Für uns ist das Schlimmste an der ganzen Sache, dass all unsere Fotos und Videos entwendet wurden. Es wurde ein Teil unseres Lebens gestohlen, in unser „trautes Heim“ eingebrochen.
Gegenstände sind ersetzbar, Erinnerungen nicht.

Unsere Sachen werden wir nach und nach ersetzen müssen. Es wird eine Weile dauern, bis wir das verdaut haben. Einen tollen Laptop haben wir ja nun schon.
Und mit Bernd einen neuen tollen Freund, den wir genauso wie diese Geschichte nie vergessen werden.

Posted on: 7. Dezember 2017

5 Gedanken zu “VON DEN SCHATTENSEITEN DES REISENS – BESTOHLEN AN DER SUNSHINE COAST

  1. ??Hallo ihr lieben. Das war ein Schock, boah. Aber wie ihr geschrieben habt, ist es gut dass der Täter gefasst wurde. Und es stimmt das man die Erinnerung nicht ersetzen kann aber man trägt sie im Herz und behält sie ein Leben lang. Jetzt wünsche ich euch trotzdem weiterhin alles Gute und viel Freude auf eurer Reise. Denke an euch und passt auf euch auf. Bis bald ?

  2. Hallo ihr beide. Schlimm was passiert ist. Aber gut,dass ihr Freunde gefunden habt und ihr Hilfe erhalten habt. Aber wie schon gesagt : Erinnerungen kann man nicht stehlen. Denken an euch und freuen ? uns auf neue Bilder und Videos
    ?

  3. Hallo ihr Lieben, das ist echt krass was euch da passiert ist! Was mich ganz arg freut ist dass es neben diesen schwarzen Schafen eben auch gute Leute gibt, die einem in diesen Situationen hilfreich zur Seite stehen. Und wie toll dass der Typ gefasst wurde, gut dass ihr die Anzeige gemacht habt. Jetzt hoffe ich ihr könnt dieses Erlebnis ganz schnell hinter euch lassen. ????

  4. Gibt’s in Australien eigentlich kein Zivilrecht bzw. die Schuld eines Diebs, den durch Diebstahl entstandenen Schaden ersetzen zu müssen? So ein Habenichts kann das ja nicht gewesen sein wenn er zumindest einen weißen Transporter fährt.

    1. Das haben wir uns auch schon gefragt. Der Aufwand wäre für uns aber sicherlich zu teuer gewesen – Anwalt im Ausland etc. Die Polizei hat diesbezüglich leider auch keine Aussagen gemacht, als wir sie gefragt haben 🙁

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