PARADIES IN ESPERANCE UND OHNE STROM IN ALBANY

Kängurus leben hier direkt am Strand

Wir laufen durch die Straßen Albanys. Die Schaufenster sind dunkel, selbst in den Cafés brennt kein Licht. Die Preisanzeigen der Tankstellen zeigen keine Zahlen. Ein Friseursalon hat geöffnet, ein leichtes Licht schimmert durch den Eingang – Kerzenschein. Menschenmassen bewegen sich zum Supermarkt – dort wird gerade die Kühlware zum halben Preis angeboten. Man kann den Rauch eines Waldbrandes riechen, den der Wind aus 50 Kilometern Entfernung in die Stadt bläst. Es ist wie im Film – als stünde eine Art Apokalypse bevor. Gestern in Esperance war noch alles super.

Gerade in Western Australia angekommen steht uns schon das Erste Highlight bevor. 142 Kilometer einfach straight gerade aus. Das Schild der 90 Mile Road – der längsten Straße Australiens ohne Kurven – ist schon eine kleine Berühmtheit. Wir lassen unsere Drohne Babsi mal ’ne Runde Gassi gehen. Die Fahrt über die lange Straße ist allerdings alles Andere als spektakulär. Es gibt nicht wirklich etwas Spannendes zu sehen. Gelegentlich kommt uns ein Auto entgegen. Weil es so langweilig ist, grüßt man sich gegenseitig. Wenigstens ein bisschen Ablenkung.

90 Mile Straight
Australiens längste Straße gerade aus
Campfeeling am Lagerfeuer

Am Abend schlagen wir unser Lager in einem richtigen Buschcamp auf. Wir machen ein kleines Feuer und essen Marshmallows an Stöcken, die Peter zuvor mit seinem Taschenmesser zu Spießen geschnitzt hat. Zwischen den Baumwipfeln kann man die Milchstraße erkennen. Es ist wunderschön, aber zugegebenermaßen auch ein bisschen gruselig, als wir das Feuer ausmachen und uns die Dunkelheit umschließt.

Endlich in Esperance

Als Leser dieses Beitrags mag es vielleicht komisch rüber kommen, aber die eine Woche Dauerfahrt im Auto durch die Nullarbor Region ging ganz schön auf die Gesäß-Muskeln. Umso mehr freuen wir uns am nächsten Morgen, als wir das Eingangsschild von Esperance passieren. Ganz in der Nähe befindet sich der Cape Le Grand Nationalpark – besonders bekannt durch den Traumstrand Lucky Bay. Generell erhebt Western Australia für den Besuch der Nationalparks eine Gebühr. Wenn man allerdings (wie wir) vor hat, mehrere Nationalparks hintereinander zu besuchen, dann lohnt sich ein sogenannter „All Parks Pass“. Dieser kostet 92 Dollar, ist für ein Jahr gültig und ist an jedem Informationscenter erhältlich.
Wer Clubmitglied im RAC ist (ein Automobilclub ähnlich wie der ADAC in Deutschland), der bekommt den Pass zum Ausdrucken schon für den halben Preis. Wir haben ihn über diese Webseite gekauft.

Gut vorbereitet, oder doch nicht?

Soweit so gut. Wir haben nun also unseren Pass auf dem Smartphone und müssen diesen nur noch in der Library in Esperance ausdrucken, um in den Nationalpark fahren zu können. Diese war bei Ankunft jedoch geschlossen – weshalb wir kurzerhand zum nächsten Postoffice fahren. Auch da finden wir nur ein leeres Gebäude vor. Na sind denn hier alle im Urlaub oder was? Gegenüber ist ein kleiner Buchladen – offensichtlich geöffnet. Wir fragen die Frau vorne an der Kasse, ob sie einen Drucker hat. Natürlich nicht. Zusätzlich klärt sie uns auf, dass heute Sonntag sei und morgen Feiertag. Na klar doch. Natürlich wissen wir, dass Sonntag ist, Feiertage haben wir auch alle im Kopf. Nicht. Gott sei dank erklärt sich eine Rezeptionistin dazu bereit, unseren Pass in einem schwach lesbaren Schwarz-Weiß auszudrucken.

Cape le Grand Nationalpark

Unser erster Halt ist der 262 Meter hohe Frenchman Peak. Weil wir denken, dass der Weg nur einmal um den Berg herumführt, laufen wir einfach mal drauf los. Am Ende befinden wir uns auf der Spitze des Berges, nass geschwitzt und Sneaker statt Wanderschuhe. Für diese Aussicht hat sich das Spektakel aber allemal gelohnt!

Frenchman Peak
Aussicht vom Frenchman Peak
Die Aussicht über den Nationalpark ist gigantisch
Die Aussicht über den Nationalpark ist gigantisch
Kängurus in Lucky Bay

Schon als wir den Strand betreten, sehen wir die berühmten Strandkängurus am Wasser liegen. Wir nähern uns erst vorsichtig, merken aber schnell, dass sie sich von uns überhaupt nicht beeindrucken lassen. Wir können sie streicheln und auch als wir Selfies machen wollen, posen sie in die Kamera. Für uns einer der schönsten Momente unseres Lebens.

Kängurus leben hier direkt am Strand
Kängurus leben hier direkt am Strand
Ein lustiges Selfie
Ein lustiges Selfie
Einer der glücklichsten Momente der Reise war das kuscheln mit Kängurus
Einer der glücklichsten Momente der Reise
Traumstrand Thistle Cove

Wir können uns nicht entscheiden, welcher Strand nun eigentlich am besten ist. Der Strand Thistle Cove ist auf jedenfall auch ganz oben mit dabei. Leider ist es trotz der Sonne viel zu kalt um ins Wasser zu gehen. Für einen kurzen Dip mit den Füßen reicht es aber.

Thistle Cove ist wunderschön
Thistle Cove ist wunderschön
"Can you take a picture of us, please?"
„Can you take a picture of us, please?“
Great Ocean Drive Esperance

Am nächsten Tag machen wir uns auf in Richtung Albany. Wir nehmen einen kleinen Umweg in kauf um Australiens schönste Strände zu sehen. Der Great Ocean Drive beginnt kurz hinter Esperance und führt vorbei an wunderschönen Buchten und einsamen Stränden mit glasklarem Wasser. Besonders der Twilight Beach, welcher als berühmtester Strand Western Australias gilt, gefällt uns gut. Liegt aber vielleicht auch daran, dass wir den Strand aufgrund des Winters für uns alleine haben und so perfekte Bilder schießen können.

Türkisblaues Wasser in Esperance
Türkisblaues Wasser
Wir hatten den Strand komplett für uns alleine
Wir hatten den Strand komplett für uns alleine
Die Landschaft ist atemberaubend
Die Landschaft ist atemberaubend

Der Blue Haven Beach ist von oben so schön, dass wir es wagen, trotz hoher Windgeschwindigkeiten die Drohne aufsteigen zu lassen. Noch ahnen wir nicht, dass der Wind bald stärker werden wird.

Der Blue Haven Beach von oben
Der Blue Haven Beach von oben
Buschfeuer und Stromausfall

Die Strecke bis Albany ist letztendlich doch länger, als wir anfangs dachten. Wir schaffen es nicht rechtzeitig vor Sonnenuntergang und verbringen die Nacht auf einem Campingplatz ca. eine Stunde vom Zielort entfernt. Gegen Mitternacht zieht ein Sturm auf, der noch bis in die Morgenstunden anhält. Weil wir Angst haben, von Ästen erschlagen zu werden, fahren wir direkt bei Sonnenaufgang weiter. In der Stadt ist es sicherer. Der Wind ist so stark, dass unsere Sicht wärend der Fahrt aufgrund aufgewirbelten Staubes stark eingeschränkt ist.
Der Staub stellt sich als Rauch heraus, als wir an einem riesigen Buschfeuer vorbeifahren. Das Feuer ist so dicht am Straßenrand, dass wir die Wärme durch die Fenster spühren können.

Der Tag vor dem großen Sturm war ein schöner mit Sonnenschein
Der Tag vor dem großen Sturm

In Albany angekommen sehen wir das komplette Ausmaß des Sturms: die ganze Stadt ist wohl ohne Strom. Für die Australier besonders schlimm, weil die vorherigen zwei Tage auch schon alles geschlossen war (wir erinnern uns an die Sonntag/Feiertag-Geschichte). Wieder ist alles geschlossen. Im Supermarkt werden noch die letzten Lebensmittel unter Verwendung des Notstromagregats zum halben Preis verscherbelt, dann schließt auch dieser. Der Strom wird auch für die nächsten 35 Stunden ausbleiben. Auch für uns hat das Konsequenzen, denn Mitzi hat Durst. Die Preisschilder der Tankstellen zeigen ebenfalls keine Preise und wir müssen die Nacht in Albany verbringen. Erst am nächsten Morgen können wir den Tank füllen und unsere Reise fortsetzen.

Posted on: 13. Juni 2018

3 Gedanken zu “PARADIES IN ESPERANCE UND OHNE STROM IN ALBANY

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